Woche 1: Gib ihm Saures

Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist, eine Praxis für medizinische Fußpflege zu finden. Die einzige Praxis mit einer eigenen Homepage wimmelt mich ab, sie nimmt keine neuen Patienten auf. Bei einer anderen Praxis in der Nachbarschaft spreche ich vergeblich auf den Anrufbeantworter. Am Ende habe ich in einer kleinen Praxis im Nachbarstadtteil Erfolg.

Wahrscheinlich ist die Frau schlimmere Anblicke gewohnt – ich schäme mich trotzdem, als ich meine Socken ausziehe. Die Fußpflegerin kürzt meine milimeterdicken gelben Krallen routiniert mit einer Zange und schleift sie auf einigermaßen ansehnliche Maße zurück. Tut übrigens nicht weh.

Um den Pilz loszuwerden, empfiehlt sie, ihn mit Essig zu behandeln. Und zwar mit 25-prozentiger Essigessenz aus dem Supermarkt. Mit dem Wattestäbchen auftragen und einziehen lassen. Die Säure, so erklärt sie, schafft ein Milieu, in dem der Pilz nicht leben kann. Zumindest kann er nicht so schnell weiterwachsen wie  bisher. Und wenn die Zehennägel nun schneller wachsen als der Pilz, wächst er gewissermaßen raus. Soweit die Theorie. Nur wird das lange dauern.

Das ist mir allerdings egal. Andere Maßnahmen kann ich im Moment eh nicht ergreifen. Die Essigessenz kaufe ich gleich auf dem Heimweg für 1,60 Euro. Los geht’s!